Morsetelegraphie - die Krönung des Amateurfunks

Morsetelegraphie war seit meinem Interesse für den Amateufunk für mich die Krönung des Funkbetriebs. Daher entstand schon früh nach meiner (damaligen C-) Lizenzprüfung der Wunsch, Morsen zu lernen. Schnell kam damals ein Morsekurs unter Hajo, DJ9MH zusammen. Aber leider, leider etablierte sich gerade Packet Radio in DL. Zu Zeiten, in denen es einfach kein Internet gegeben hat, war das natürlich für einen jugendlichen Funkamateur mit Computerfabel äußerst faszinierend, von Anfang an dabei zu sein. Das witzige dabei: auf Packet Radio hat mich DL3NBY gebracht, die Crux erklärt sich in den nächsten Zeilen. Jedenfalls entschloss ich mich damals, meine (Funk-) Freizeit nur noch für Packet zu nutzen und habe den CW-Kurs an den Nagel gehängt. Eine Entscheidung, die ich lange bereut habe.

Wollte ich damals CW eigentlich nur als Zugangsvoraussetzung für Kurzwelle lernen fand zwischenzeitlich ein Umdenken statt. Mich fasziniert es bis heute, ohne großen technischen Aufwand QSOs absolvieren zu können, die an einer SSB-Station deutlich schwerer zu machen sind und mich faszinierten kleinste selbstgebauten QRP-Transceiver (siehe QRP-Projekt: Mosquita, RockMite, BlueCoolRadio,...), mit denen man ganz ordentlich Betrieb machen kann, aber eben halt nur in CW. Vor Jahren habe ich mich einmal mit dem FT-817-Virus anstecken lassen, die QRP-Faszination hielt sich in SSB allerdings sehr in Grenzen: QRP + Behelfsantennen + SSB = Frust! Der Sinn, den FT_817 anstatt meiner anderen TRX an große Antennen anzuschließen, erschloss sich mir nicht (ich bin halt kein Vollblut-QRPler, hi).
Leider fand bei uns im OV seit damals (1988) bis heute kein einziger Morsekurs statt und von den benachbarten OMs wurde ich vor allem nach der Kurzwellenfreigabe nur schief angegrinst, wenn ich sie darauf angesprochen habe. "Wir können doch nun auch ohne CW auf die Kurzwelle" oder "Wenn CW effektiver ist, nehme ich für SSB halt eine PA" waren die üblichen Antworten auf meine Frage, gemeinsam CW zu lernen. Ich gebe zu, alleine macht es mir keinen Spaß und der innere Schweinehund meldet sich dann bei mir relativ fix...

Im Jahr 2009 passierte nun etwas ganz entscheidendes: Herbert, DL3NBY, kam zu uns in den OV. Herbert ist CW-Fan durch und durch und er hat das Thema sofort aufgeschnappt. Da Herbert seine Freude an CW gerne mit anderen teilt und auch nicht-CWisten gerne mit diesem Virus infiziert, hat er gleich angeboten, einen Kurs durchzuführen. Mit Begeisterung meldete ich mich sofort an!

Der erste Übungsabend war eine Katastrophe! 20 WPM sind für ungeübte Anfängerohren nicht geeignet und bei mir entstanden sofort Zweifel, ob ich überhaupt für CW geeignet bin. Nun, Herbert hat sich zu etwas längeren Pausen überreden lassen und schon sah es besser aus. Unterbrochen durch wenige Urlaubswochen erkämpften wir uns jeden Mittwoch zwei neue Zeichen. Geübt wurde tagsüber während der Bahnfart zum QRL bzw. wieder nach Hause und nachts viel die obligatorische Bettlektüre aus (Frank Schätzing möge mir verzeihen, drei seiner Bücher über ein halbes Jahr unberührt gelassen zu haben), statt dessen gab es fast jeden Abend Mecker von der XYL, dass ihr das halbstündige Gepiepse vor dem Einschlafen doch auf die Dauer ziemlich auf den Wecker geht. Aber das war mir egal, ich wollte CW können! Auch DL3NBY lies sich durch keinen einzigen Rück- oder Nicht-Fortschritt meinerseits entmutigen und seiner Engelsgedult aber auch seiner "Antriebskraft" ist es zu verdanken, dass ich am 08.07.2010 mein erstes CW-QSO auf Kurzwelle geführt habe. Trotz wachsweicher Knie und einiger Gebefehler war das ein tolles Gefühl! Irgendwie gehörte ich jetzt zu einer ganz anderen Afu- Gemeinde!! Dabei war ich froh, auf eine Gegenstation zu stoßen, die auch nicht besser CW konnte als ich. So waren die Hemmungen auch nicht ganz so ausgeprägt, hi.

Richtig prima finde ich, dass der Kurs von Herbert jetzt nicht zu Ende ist, sondern im Gegenteil jetzt erst recht weitergeht. Ziel ist es, ohne Papier zu hören und zu geben, ausserdem das Tempo deutlich zu steigern. Ich freue mich darauf!!!

Ich möchte mich für die vielen vielen Übungs- und Vorbereitungsstunden ganz ganz herzlich bei Dir Herbert bedanken!!! Ich weiß, Du hättest in der Zeit viele schöne QSOs fahren können und es war und ist für Dich eine Selbstverständlichkeit, darauf zu verzichten! -- -. .. - -. -..- .... . .-. -... . .-. -!!!
Mit einem lachenden Auge betrachte ich, wie sich der Kreis schließt: Du brachtest mich auf Packet Radio, weswegen ich damals den CW-Kurs schmiss und 22 Jahre später bringst Du mir CW bei :-)

Die Geschichte wird mit vortschreitendem Kurs mit Sicherheit erweitert werden...

Als Morsetasten verwende ich zuhause die Bencher BY-1. Für meinen KX-3 bekam ich von einem OM das Palm PIco-Paddle geschenkt (eine phantastische Taste auch für Zuhause!!), Der KX-1 ist mit dem zugehörigen Paddle von Elecraft ausgerüstet (praktisch aber nicht schön zu Geben) und für meinen K-1 habe ich mein "großes" Palm-Paddle. Mein TM-255 ist mit meiner zweiten Sensortaste (Frog, von DL6NBS) ausgestattet, da hier ein Keyer (mit vier Speicher) in der Sensortaste integriert ist und unterwegs im Auto (auf dem Parkplatz, hi), verwende ich meine selbstgebaute Sensortaste. Diese ist von oben zu bedienen und kann ganz einfach auf dem Oberschenkel liegen. Durch die Bedienung von oben benötigt sie keine große Masse, man könnte sie sogar bequem beim Gehen in der Hand halten und damit geben.

Sensortaste 1, hier testweise am KX-3
BY-1 PalmPaddle für den IC-706 und den K-1
PicoPaddle mit Halterung am KX-3 Sensortaste 2 (incl Keyer-Elektronik) für den TM-255
Elecraft-Taste am KX-1